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Die Bohne - der Kaffeesatz - das Orakel?

Meine Grossmutter Hatice war eine Künstlerin bei der Deutung des Kaffeesatzes.
Ihre Nachmittagskränzchen standen bei uns Teenagern und ihren Freundinnen hoch
im Kurs. Stundenlang wurde gerätselt, diskutiert und Intuitionen freien Lauf gelassen.
Lustig war, dass meine Grossmutter nicht wirklich an dieses Orakel glaubte.
Wenn wir jedoch Rat oder Hilfe brauchten, liess sie sich leicht überreden,
den Kaffee auf spezielle Art zu kochen. Dazu mussten wir die Kaffeebohnen von
Hand sehr fein mahlen, danach wurden sie in der kupfernen Cezve mit Zucker
und Wasser aufgekocht, bis sich an der Oberfläche ein dichter Schaum bildete.
Dann verteilte sie den Kaffee in kleine Tassen. Zuerst ein wenig Schaum, dann
den Kaffee! Nun mussten wir uns auf unsere Frage konzentrieren und den Kaffee
sehr langsam trinken. Anschliessend wurde der Unterteller umgekehrt auf die Tasse
gelegt und umgedreht. Danach musste der Kaffeesatz fünfzehn Minuten ruhen. In der
Zwischenzeit hatte der Kaffeesatz winzige Formen gebildet.
Vorhang auf für alle möglichen Fantasien und Vorstellungskräfte! Die einzigartige Begabung
meiner Grossmutter bestand darin, Zusammenhänge intuitiv zu spüren und zu
interpretieren. Zweifellos ist das Kaffeesatzorakel eine interessante und
unterhaltsame Sache. Es wird überall im Süden Europas mit Begeisterung praktiziert.
Die Suche nach der verborgenen Wahrheit ist allgegenwärtig und die weibliche
Intuition faszinierend.